Und hier noch mein ganz persönlicher Rückblick…

… auf neun Jahre Seminarreihe am Grünen Band Deutschland:

Als wir 2010 bei Josch im Garten bei einem Glas Apfelwein überlegt haben, welche Bildungsurlaube wir 2011 anbieten wollen, entstand die Idee eines Seminars am Grünen Band. Wir kannten das Grüne Band bis dahin nur aus den Dokumentationen von Andreas Kieling und hatten keine Ahnung, auf was wir uns da einlassen. Schnell wurde klar, dass wir hier nicht nur ein Seminar machen können – 1.400 Kilometer sind einfach zu viel für eine Woche. Also kam uns die Idee einer Seminarreihe – etwas völlig Neues im Rahmen des Angebots des DGB Bildungswerk Hessen e.V.

Wir beschlossen für 2011 einfach mal ein Angebot zwischen Ostsee und Schaalsee zu entwickeln, um zu sehen, ob es hier überhaupt eine Nachfrage, ein Interesse geben würde. Was dann kam, hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Für das erste Seminar meldeten sich so viele Menschen an, dass wir das Seminar zweimal hätten machen können, so dass schnell klar war, dass wir zum einen die Seminarreihe wirklich weiterführen und zum anderen auch die Seminare zumindest einmal wiederholen müssen, um der Nachfrage auch nur annähernd gerecht zu werden.

Seitdem sind neun Jahre vergangen, wir haben acht Schritte am Grünen Band Deutschland unternommen, insgesamt 16 Seminare mit vielen verschiedenen Teilnehmer*innen durchgeführt.

Wir haben die fast 1.400 Kilometer zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Kanu, mit Auto und Bus, sogar einmal mit der Bahn hinter uns gebracht! 1.400 Kilometer – das entspricht der Strecke vom Dreiländereck bis Helsinki, Odessa, Sizilien, Valencia oder den Shettland Inseln!

Wir haben die verschiedenen Landschaften und Lebensräume in Deutschland kennengelernt – die Ostseeküste, den Schaalsee, die Elbe, den Drömling, den Harz, das Eichfeld, das Werratal, die Rhön, das Grabfeld, das Coburger Land uns das Sächsische Grüne Band gesehen und erlebt.

Dabei sind wir durch neun Bundesländer gereist, haben immer wieder Ländergrenzen überschritten, oft ohne es zu merken. Wir haben einen Nationalpark, drei Biosphärenreservate, diverse Naturparke und unzählige Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete besucht.

Wir haben Tiere und Pflanzen gesehen, die mich sehr beeindruckt haben – immer wieder Biberspuren, verschiedene Greifvögel – vom Seeadler an Schaalsee und Elbe, Wanderfalken an Werra und Saale, Rotmilane, Bussarde und Weihen –  seltene Singvögel wie Braunkelchen und Neuntöter, die verschiedensten Schmetterlinge und andere spannende Insekten, unzählige Kräuter, Sträucher und Bäume sowie  Lebensraumtypen und Pflanzengesellschaften, die es fast nur noch am Grünen Band in Deutschland gibt.

Und immer wieder hat mich die Kombination aus Natur und Geschichte begeistert. Die verschiedenen Grenzmuseen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze – hier besonders der ehemalige Grenzübergang Marienborn, Point Alpha und Mödlareuth, die Zeitzeug*innen – der Ranger Ecki im Harz oder die Lehrerin Brigitte Heller aus Geisa – die unterschiedlichen Infozentren und Umweltbildungseinrichtungen, wie das Paalhus am Schaalsee, die Burg Lenzen an der Elbe, das Torfhaus im Harz, die Heinz Sielmann Stiftung in Duderstadt, das Haus auf der Grenze am Point Alpha, die Umweltbildungsstätte Oberelsbach in der Rhön oder das Wasserschloss in Mittwitz bei Coburg – unzählige braune Wiedervereinigungsschilder entlang der ehemaligen Grenze und besonders auch die vielen geschleiften Orte, die wir auf der Reise gesehen und erlebt haben.

Wir haben viele Menschen kennengelernt, die uns spannende Geschichten erzählt haben und uns mit ihrer Arbeit, ihrem Enthusiasmus und Engagement am Grünen Band begeistert haben – allen voran sicher Kai Frobel, dem Vater des Grünen Bands.

Josch und ich waren 2014 vom BUND auf die Burg Lenzen eingeladen zum 25jährigen Jubiläum des Grünen Bands und werden auch zum 30jährigen im September 2019 wieder dort sein.

Keine Frage – das Grüne Band hat sich entwickelt seit 2011! Es ist in Thüringen zum Nationalen Naturmonument erklärt worden und auch in Sachsen-Anhalt steht dies kurz bevor. Auch die Einstellung der Menschen zum und am Grünen Band hat sich verändert und wir haben viele Leute gesehen, die sich dafür einsetzen und engagieren. Trotzdem bleibt noch viel zu tun, um das Grüne Band als einzigsrtigen Biotopverbund, nationales Naturmonument und Erinnerungsort zu erhalten.

 

Als wir 2011 an der Ostsee standen, hatte ich keine Vorstellung davon, was uns alles erwartet. Heute kann ich sagen, dass diese Seminarreihe am Grünen Band Deutschland in den vielen Jahren Bildungsarbeit für mich eine einzigartige Erfahrung ein ganz besonders Erlebnis ist, die ich nicht missen möchte und ich freue mich auf die weitere Reise am Grünen Band Europa!

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Melanie Kreuzer vom BUND Projektbüro in Nürnberg, die uns in all den Jahren immer wieder mit Tipps und vor allem mit Kontakten vor Ort unterstützt hat.

Auch Josch möchte ich ganz besonders danken für die wunderbaren gemeinsamen Jahre am Grünen Band Deutschland und ausdrücklich bedanken möchte ich mich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der sechszehn Bildungsurlaube, ohne euch und euer Interesse hätte ich das alles nicht erlebten dürfen!

Und hier noch mein ganz persönlicher Rückblick…

Freitag – letzter Tag am Grünen Band Deutschland

Heute hieß es nach dem Frühstück Zimmer räumen. Dann haben wir uns getroffen, um noch einmal einen Blick auf das Grüne Band Deutschland zu werfen. Dazu haben sich die Teilnehmer*innen in Zweiergruppen zusammen gefunden, um im Rahmen eines Walk & Talk folgende Fragen zu diskutieren:

  • Was hat euch am Grünen Band am meisten beeindruckt?
  • Wie schätzt ihr die Akzeptanz des Grünen Bands in der Gesellschaft ein?
  • Wie geht es mit dem Grünen Band weiter?

Außerdem sollten die Teilnehmer*innen den Satz „Das Grüne Band ist für mich…„ vervollständigen und aufschreiben. Hier die Ergebnisse:

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Anschließend dann noch ein Rückblick auf die Woche und ein Feedback sowie  die Verabschiedung – so geht die Seminarreihe am Grünen Band Deutschland zu Ende 😦

Aber es geht ja am Grünen Band Europa weiter! Gleich in der nächsten Woche auf dem Grünen Dach Europas – dem Böhmerwald! 🙂

Infos hierzu gibt es im Blog zu dieser Seminarreihe unter

https://gruenesbandeuropa.wordpress.com/

Freitag – letzter Tag am Grünen Band Deutschland

Donnerstag von Nentschau auf den letzten Kilometern Kolonnenweg…

… zum Dreiländereck Sachsen – Bayern – Tschechien

Heute ging es mit den Autos nach Nentschau und von hier dann zu Fuß weiter Richtung Grünes Band. Am Kolonnenweg angekommen hatten wir die letzten 3,5 Kilometer Lochplattenweg vor uns. Das war schon ein besonderes Gefühl nach den unzähligen Kilometern auf dem Kolonnenweg in den letzten Jahren.

Bei einer Pause unterwegs haben wir uns jede*r für sich mal eine Viertelstunde Zeit genommen, um die Seminare am Grünen Band in unseren Köpfen an uns vorbeiziehen zu lassen. Jede*r hat sich für sein ganz persönliches Highlight entschieden, dass dann in der Gruppe vorgestellt wurde.

Auf der letzten Etappe bis zum Dreiländereck haben wir dann individuell eine Sache gesammelt, die wir mit dem Grünen Band in Zusammenhang bringen.

Kurz vor dem Ziel sind wir dann noch an dem rekonstruierten letzten DDR-Grenzpfosten vorbei gekommen. Diese waren zu DDR-Zeiten durchnummeriet. Von der Ostsee kommend stand hier die Nummer 2735.

Am Dreiländereck angekommen, haben wir dann nach dem Picknick die Seminarreihe am Grünen Band Deutschland hier zu einem runden Abschluss gebracht. Zum Schluss haben wir dann die individuell gesammten Sachen mit Bezug zum Grünen Band hier symbolisch abgelegt.

Auf bayerischer Seite ging es dann auf direktem Weg zurück nach Nentschau, wo wir die Wanderung bei einem leckeren Stück Kuchen beendet haben.

Am Abend stand dann noch ein Rückblick auf die einzelnen Seminare am Grünen Band auf dem Programm  – ein schöner emotionaler Abschluss dieses Tages!

Donnerstag von Nentschau auf den letzten Kilometern Kolonnenweg…

Am Mittwoch mit Thomas Findeis am Grünen Band Sachsen

Nach dem Frühstück ging es mit den Autos in Richtung Grünes Band Sachsen. nachdem die eigentliche Tour aufgrund einer Straßensperrung kurzfristig nicht stattfinden konnte, haben wir Thomas direkt am Grünen Band an der Bundesstraße 173 getroffen, um von hier aus durch die Naturschutzgebiete „An der Ullitz“ und „Himmelreich“ zu wandern. Unterwegs gab es immer wieder spannende Informationen über Flora, Fauna und Geschichte der Region. Es ist wirklich sehr beeindruckend, mit welchem Wissen Thomas aufwartet. Jede Pflanze und fast jedes Insekt kennt er und weiß auch ganz viel über das Grüne Band und die ehemalige innerdeutsche Grenze. Er lebt seinen Job am Grünen Band in jeder Sekunde!

Nachdem wir dann in Heinersgrün angekommen waren – da hatten wir vorher schon zwei Autos geparkt, um von hier auch wieder weg zu kommen – sind wir noch an die sächsisch-tschechische Grenze bei Tiefenbrunn gefahren. Hier ganz in der Nähe des Dreiländerecks, dass morgen dann auf unserem Programm steht, haben wir von Thomas erfahren, dass die Sperranlagen noch ein ganzes Stück entlang der Grenze zwischen DDR und der damailigen Tschechoslowakei weiter gingen und auch hier das Grüne Band nach der Wende geschützt wurde. Hier endet auch der Kolonnenweg an einer wirklich beliebigen Stelle!
Unterwegs haben wir auch den Schäfer mit seinen ca. 800 Schafen und Ziegen getroffen, der dafür sorgt, dass das Grüne Band hier offen bleibt.

Was uns heute ganz besonders beeindruckt hat, waren die vielen Pflanzen und Insekten, auf die Thomas uns immer wieder aufmerksam gemacht hat und die wir am Grünen Band Sachsen entdeckt haben! Insbesondere natürlich sein Projekt für den Goldenen Schekcenfalter und seine Begeisterung für die Nadelholz-Säbel-Schrecke 🙂

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Am Mittwoch mit Thomas Findeis am Grünen Band Sachsen

Der Dienstag an der Saale!

Nach dem Frühstück ging es mit den Autos nach Hirschberg an der Saale. Nach ein paar Informationen über den Ort und die ehemalige Lederfabrik, die hier bis 1992 mehreren tausend Menschen einen Arbeitsplatz gab, ging es zu Fuß entlang der Saale flußaufwärts. Unterhalb des Schlosses in Hirschberg ging es zunächst über einen Steg und dann durch den „Hag“ in Richtung Kaiserblick, einem wunderschönen Aussichtspunkt oberhalb der Saale. Natürlich haben wir unterwegs an der langen Bank angehalten, um ein Gruppenfoto zu machen.

Vom Kaiserblick ging es hinunter zur Saaleschleife entlang einer riesigen Wiese imer auf dem ehemaligen Kolonnenweg. An einem schönen Ort, wo wir auch mal direkt an die Saale konnten, haben wir eine Übung zur Schärfung unseres Gehörs gemacht – einfach mal eine viertel Stunde nicht reden, die Augen zu machen und sich nur auf die Geräuche ringsum konzentrieren – eine für viele neue und interessante Erfahrung.

An dem Punkt, wo die ehemalige innerdeutsche Grenze und damit das Grüne Band die Saale verlässt, sind wir über den Tannbach gegangen, der ab hier für eine Strecke die Grenze zwischen Bayern und Thüringen bildet. In Bayern angekommen, haben wir uns erstmal Zeit für unser Picknick genommen.

Danach ging es weiter auf bayerischer Seite zunächst über die Saale und dann auf der anderen Saaleseite wieder zurück in Richtung Hirschberg – eine sehr schöne Strecke mit einem weiteren schönen Aussichtspunkt und einem schönen Weg durch den Wald.

Kurz vor Hirschberg mussten wir dann wieder über die Saale, um wieder nach Thüringen zu gelangen, wo unsere Autos standen.

Am Abend kam dann noch Thomas Findeis, um uns über seine Arbeit am Grünen Band Sachsen zu berichten und uns schon mal einen Vorgeschmack auf die Exkursionen morgen mit ihm am Grünen Band zu geben.

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Der Dienstag an der Saale!

Der Montag ist schon wieder vorbei…

Nachdem die Teilnehmer*innen gestern alle gut in Hof angekommen sind, Haben wir nach einem ersten Kennenlernen noch das Programm vorgestellt, damit alle wissen, auf was sie sich einstellen können.

Heute ging es dann nach dem Frühstück zunächsten nach Münchenreuth. Unterwegs hieß es noch Pichnick einkaufen. Dazu haben wir in Feilitzsch inm kleine Laden der Helmut Glück Sauerkrautfabrikation angehalten.

Von Münchenreuth ging es zu Fuß Richtung Grünes Band. Unterwegs gab es bei Regen ein paar Infos zu den hier ansässigen Windparks. Am Grünen Band angekommen, haben wir gleich mal den Unterschied zwischen dem noch intakten Grünbereich des Grünen Bands und der Agrarbrache kennengelernt. Hier bei Münchenreuth beginnt die längste Lücke am Grünen Band Deutschland. Hier haben die Bauern nach der Wende tabula rasa gemacht und das Grüne Band unter den Pflug genommen. So gingen hier ca. drei Kilometer Grünes Band verloren. Der BUND versucht durch Länderkäufe und Gebietstausch diese Lücke wieder zu schließen, was sich als nicht so einfach herausstellt.

Weiter ging es auf dem noch intakten Teil des Grünen Bandes Richtung Dreifreistaatenstein und zunächst weiter auf dem Kolonnenweg ein gutes Stück auf dem Grünen Band Sachsen. Unterwegs gab es immer wieder viel zu sehen und zu berichten.

Zurück am Dreifreistaatenstein haben wir dann zuerst mal Picknick gemacht und anschließend noch eingie Infos zu diesem Ort und dem Grünen Band gegeben. Hier haben wir nochmal alle wichtigen Infos zum Grünen Band aus der Schublade geholt, da auch diesmal wieder einige „Frischlinge“ dabei sind, die zum ersten Mal mit uns am Grünen Band unterwegs sind.

Nach der Pause ging es zurück zu den Autos in Münchenreuth und weiter nach Mödlareuth, wo wir im dortigen Deutsch-deutschen Museum eine Führung durch das Grenzmuseum gebucht hatten.
Nach einem einführenden Film ging es mit einem Mitarbeiter des Museums in das Außengelände. Dort erfuhren wir viel über die ehemalige innerdeutsche Grenze, die Grenzsicherungsanlagen und die Besonderheiten hier in Mödlareuth, dem geteilten Dorf, dass die Amerikaner auch Little Berlin nannten. Hier geht schon seid Jahrhunderten die Grenze zwischen Bayern und Thüringen mitten durch das Dorf. In der Zeit der deutschen Teilung war das leider nicht anders, so dass die Grenzsicherungsanlagen der DDR direkt durch den Ort verliefen. Um auch einen Sichtkontakt zwischen Ost- und West-Mödlareuth zu verhindern wurde hier wie in Berlin eine 700 Meter lange Mauer errichtet, die das Dorf teilte. Eine sehr besondere und spannende Geschichte eines kleinen Dorfes.

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Mit vielen interessanten, spannenden, neuen Eindrücken ging es zur zum Hotel, wo dann das Abendessen auf uns wartete.

Der Montag ist schon wieder vorbei…

Der Countdown läuft – noch zwei Tage!

Übermorgen treffen wir uns in Hof zum letzten Seminar unserer Seminarreihe am Grünen Band Deutschland. Sicher wird das wieder eine tolle Woche und ein schöner Abschluss unserer Reise an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Das Wetter spielt auch einigermaßen mit – es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung 😉

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Bleibt uns also nur noch allen Teilnehmer*innen eine gute Anreise zu wünschen. Wir freuen uns auf einen schönen Bildungsurlaub mit euch 🙂

Der Countdown läuft – noch zwei Tage!